Die Römervilla
In römischer Zeit gehörte das Gebiet um Treuchtlingen zur Provinz Rätien im Hinterland des Limes. Die Versorgung des Militärs und der Zivilbevölkerung in den Lagerdörfern wurde durch eine Vielzahl von Gutshöfen (villae rusticae) sichergestellt. Teil einer solchen Anlage ist das Wohngebäude beim Weinbergshof am Südhang des Nagelberges, dessen Fundamente ausgegraben und restauriert wurden. Die Südfront wurde von einer Säulenhalle und zwei diese flankierenden turmartigen Eckbauten gebildet. Die Säulenstümpfe sind den ausgegrabenen Originalen nachempfunden. Mehrere zugehörige Wirtschaftsgebäude und ein Bad wurden durch Luftaufnahmen nachgewiesen, aber nicht freigelegt.
Eine 3D-Animation(Villa rustica als 3D-Animation) vermittelt eine Vorstellung der Anlage: Das Haus gehörte zu dem in den römischen Provinzen weit verbreiteten Typus der Portikus-Villa mit Eckrisaliten. Um den Innenhof gruppieren sich mehrere Wohnräume im Ost- und im Westflügel sowie eine offene Unterstellhalle im Norden. In der Säulenhalle wurden ein vollständig erhaltener Fußbodenestrich aus Kalkmörtel und Reste von rot bemaltem Wandputz angetroffen. Von den geborgenen Funden fanden eine goldene Halskette mit Granatperlen und einem halbmondförmigen Anhänger, das Teilstück einer militärischen Auszeichnung (torques) sowie das Hinterhauptteil eines Paradehelms besondere Beachtung.
Der Gutshof war im 2. und frühen 3. Jahrhundert n. Chr. bewohnt und wurde von Alamannen nach deren erfolgreichem Angriff auf den Limes in der Mitte des 3. Jahrhunderts zerstört.
Im näheren Umkreis von Treuchtlingen gab es mindestens sechs solcher Gutshöfe. Freigelegt wurde eine villa 1964 in Schambach. Die großzügige Bauweise, die gut erhaltene vielfarbige Bemalung der Innenwände und die Warmluftheizung verkörperten einen „Abglanz städtischer Kultur“. Der Gutshof wurde anschließend überbaut.
Dass es sich bei den römischen Staatsbürgern im Hinterland des Limes nicht um ärmliche Ackerbauern handelte, bewies auch der Fund einer bronzenen Brunnenmaske bei einer weiteren bekannten, jedoch nicht näher untersuchten villa bei Schambach. Das „Spitzenerzeugnis römischen Kunsthandwerks“, obschon nur 17 Zentimeter im Durchmesser groß, begeistert durch die kunstvolle Porträtdarstellung des Gottes Okeanos. Das Original ist in der Archäologischen Staatssammlung in München ausgestellt, vergrößerte Nachbildungen werden in den Großen Thermen in Weißenburg gezeigt.
Als römische Hinterlassenschaft im Stadtgebiet von Treuchtlingen findet sich im Tordurchgang des Stadtschlosses ein Votivstein. Seine Inschrift lautet:
==AUREL(i)ARUM EMERITAE CON(i)UGI SABINAE FILIAE VERECUNDAE MATR(i) SABINEUS SABINUS CARISSIMIS== – Sabineus Sabinus (setzt diesen Stein seinen) Teuersten unter den Aureliern (den Familienangehörigen), (der) Gattin Emerita, (der) Tochter Sabina, (der) Mutter Verecunda.
Sehenswert im nahen Weißenburg sind das Bayerische Limes-Informationszentrum und das Römermuseum mit einem bemerkenswerten Hortfund, die Großen Thermen und das Kastell Biricianis mit dem rekonstruierten Nordtor.